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ACT: Ein Blick auf dein Leben verrät ein sehr vielfältiges Interesse. Du hast Hochbau an der HTL, Germanistik und Geschichte an der Wiener Uni studiert und bist schließlich auf der Wiener Akademie für Bildende Kunst gelandet, in der Meisterklasse von Friedensreich Hundertwasser. Seitdem bist du als freischaffender Künstler tätig, als Maler, Raumgestalter, Designer und, und, vielfältig wie eh und je.
Was hat dich dazu bewegt Künstler zu werden?

KHS: Ich war schon dabei meinen Vertrag für eine Stelle als Lehrer zu unterschreiben, da spürte ich, dass ich für etwas anderes stehe. Obwohl ich bis dahin nur wenig mit Kunst zu tun hatte, nahm ich in meinen inneren Monologen eine sehr deutliche Sprache wahr: Dachte ich an Kunst, damals vornehmlich an Malerei, dann erfasste mich eine Leichtigkeit, ja ein Glücksgefühl, dachte ich an die gut bezahlte und sichere Arbeit als Gymnasiallehrer, dann erfasste mich eine  arge Niedergeschlagenheit. Nach mehreren Monaten dieses kalten-heißen Wechselspiels wurde mir die Botschaft bewusst.
Nach schon zwei, wie es schien, vergeblichen Ausbildungen war ich zunächst noch nicht bereit voll in die Kunst einzusteigen und wählte zuerst Bildnerische Erziehung als 3. Fach für das Lehramt. Erst nach einem Kunstgriff  Hundertwassers   entschloss ich mich ganz auf die Malerei zu  setzen.


ACT: Was möchtest du mit deiner Arbeit bewirken?

KHS: Ich will zu einer klaren Form finden, als Mensch das Kunstwerk Mensch jenseits seiner Fassade entdecken, spontane Gedanken und innere Bilder von allem Drumherum  befreien, im Schutthaufen der Erfahrungen den ersten, intuitiv empfangenen Gedanken  erkennen. Im Grunde will ich nichts bewirken, ich möchte einfach sein und intuitiv leben. Das lehrte und lehrt mich meine Arbeit. Es gab da keinen bestimmten Zweck, der mich bewogen hätte, mich der Kunst zu verschreiben; das war für mich mehr ein Ruf und diesen Ruf habe ich wahrgenommen.

Wenn schon bewirken, dann will ich an mir selbst etwas  bewirken, eine Art Zulassen, ein Geschehenlassen, ein Manifestieren, was sich zeigen möchte.
Vielleicht regt meine Arbeit auch andere Menschen  an, an ihre eigene Kreativität zu glauben und mehr noch, sie bewusst einzusetzen und sie zu entwickeln, nicht nur im Kreieren und Empfänglichsein für die Kunst, sondern kreativ das tägliche Leben meistern….das würde mich sehr freuen! Aber das will ich jetzt nicht bewirken; es entsteht einfach. Wenn wir von dieser Kreativität erfasst werden, dann werden wir sehen, was sich dadurch auch im Leben für uns ändert.
Ich kann also meine Arbeit weder begründen, noch weiß ich, was sie bewirkt, sie ist ‚zwecklos’. Meine Aufgabe sehe ich nur darin, das Phänomen Licht mit den Werkzeugen der Kunst zu erarbeiten, Licht und Form in ihrer Beziehung zueinander sichtbar machen.



ACT: Welche deiner Arbeiten waren dir am wichtigsten? - Arbeiten, wo du dir sagst, das war deinen Einsatz wert!

KHS: Welche meiner Arbeiten mir am wichtigsten waren--- ?
Dazu zählen  die Erstlingswerke - dort wo man sich auf den Weg macht. Z.B. das große Glasfenster bei Frau Sobczak einer engagierten Ärztin mit ihrem Auftragstitel : „Suchet zuerst das Königreich Gottes und alles andere wird euch hinzu gegeben werden!“
Wie sollte ich, der ich nicht gerade stark im Abstrahieren war und bin, so einen Satz in Bilder umsetzen? Viele Monate geschah da gar nichts. Ich war verzweifelt, gab es auf noch weiter an diese Arbeit zu denken. Ja, da kam es : völlig unerwartet zu meiner großen Überraschung war der Entwurf da, wie ich mit dem Nachdenken am Ende war. Das war eine neue Erfahrung für mich.
Bei so einer Art des Entstehens kommt der Eindruck eines Geschenkes. Der scheinbar Schaffende ist in Wirklichkeit ein Beschenkter, der dazu geführt wird, etwas geschehen zu lassen.
Das ist nun ein wesentlicher Aspekt meiner Arbeit. Ich sehe in meiner Tätigkeit mehr ein Hören, ein Hineinhören, ein Aufnehmen, bin mehr ein Empfangender als ein Schaffender, auch wenn beinahe hinter jedem Werk ein persönlicher Reifungsprozess steht  bzw. aus einem persönlichen Reifungsprozess ein Werk entsteht.
Zurück zur Frage: Abgesehen von diesen Erstlingen war es meine Arbeit für die  MS Station im Krankenhaus Bad Ischl, an der ich ca. ein halbes Jahr arbeitete, die mich am meisten erfasste. So oft hatte ich nur die eigenen Auftragswerke, hier aber wurde mir eine hohe Verantwortung übertragen. Am meisten bedeutete mir die Erfahrung des Zusammenwirkens vieler Kräfte. Ganz allgemein waren mir die Werke am wichtigsten, wo ich im architektonischen Bereich mit anderen Menschen zusammenarbeiten konnte, wo ich mich als Instrument fühle, Schönheit mit den persönlichen Anliegen der Auftraggeber zu verbinden.

Für mich ist das keine noble Idee, sondern eine Notwendigkeit.


ACT: Worin besteht deiner Ansicht nach der Wert deiner Werke?

KHS: Wie und ob etwas  überhaupt wertvoll war und ist, zeigt sich ja zumeist in den Augen und dem Empfinden der Betrachtenden. Was fühlt sie oder er? Spontane Freude vermittelt mir diesen Wert, oftmals aber war es auch Kritik, die mir weiter half, den Wert vertiefte, weil ich etwas tiefer erkennen durfte. Alles ist ein Werden  oder Erkennen und ob das Werk selbst zur Anregung wird, das macht seinen Wert aus.

Mein subjektives Empfinden über den Wert meiner Arbeit  äußert sich in einer Freude, einer Stimmigkeit, einer Leichtigkeit, wo dieses Suchen nach der rechten Form und dem Klang der Farben - da fehlt mir noch was - aber was? - aufhört und eine Sättigung eintritt, wenn all diese Unruhe aufhört und eine zufriedene Stille mich erfüllt. Dann ist der Auftrag beendet.
Die Gestaltungsarbeit im Krankenhaus begann ich zumeist sehr bald in der früh 5 Uhr, um Zeit für mich zu haben, bevor die Arbeiter mit ihren Maschinen einrückten. Ich begann sie immer mit stillen 5 Minuten, ein Einklingen und Einklinken auf die Situation und der Verantwortung gegenüber den Patienten, um  Botschaften der Heilung in meinen Bildern unverfälscht weiterzugeben.
Diese Arbeit war keine Einzelarbeit. Es waren viele Kräfte beteiligt: Freunde, Arbeiter, Angestellte im Spital,  Patienten, die Anstaltsleitung. In dieser Einbeziehung empfand ich Wert und Sinn in meiner Arbeit, indem sie viele Menschen anregte, selbst etwas zu tun oder angeregt waren, sich mit Kritik oder Tat oder Wissen einzubringen.


ACT:  Wie und wohin könnte es weitergehen ? Was willst du mit deiner Arbeit noch erreichen?

KHS:
Mehr Kreativität und Unmittelbarkeit in der Kommunikation, immer unverfälschter die empfangenen Impulse weitergeben. Das bedeutet mehr das große Netzwerk in dem jeder einzelne sich befindet, erkennen, einklinken in eine größere Gemeinschaft oder einem Verband von Kunstschaffenden, einer Werkstättengemeinschaft, wo man frei seine Talente, Ressourcen und Erfahrungen austauscht,

ein „Kunstbazillus“ werden, der andere in seinen kreativen Möglichkeiten ansteckt,
weiters zu experimentieren mit Licht und Raum: wie kann ein kleiner Raum groß erscheinen und wie kann ein dunkles „Loch“ in einen lichten und inspirierenden Lebensraum verwandelt werden? Da gibt es noch so viele Möglichkeiten zu entdecken.
Am meisten aber möchte ich dieses Gesamtkunstwerk Mensch tiefer verstehen, erfahren, leben, obwohl das eine Kunst ist, für die dieses Leben nicht ausreicht, um sie auszuschöpfen.

 
Danke Karl-Heinz für das Interview!

For more information about the artist, contact A.C.T.  under www.jmagallery.com or see the rtsts homepage www.karlheinzschreiner.at